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ALLTAG
- HAUS und HOF
Der ganze bebaute Boden mit Wald, Weide usw. hieß bei
den Franken lat. villa, und deutsch marka. Er enthielt
als Mittelpunkt den Sitz des Freien, die sale, oder den Fronhof,
auf dem der Grundherr selbst oder sein Meier (Verwalter) lebte.
Nebengebäude für verschiedene Zwecke sowie Wohnhütten
für das Gesinde umgaben das Haus des Herrn.
Das dazugehörige
Salland oder Herrenland wurde mit Hilfe der am Hofe ansässigen
Unfreien und der verpflichteten Bauern bearbeitet. Diese Erträge
kamen allein dem Grundherrn zugute. Das umliegende Hufeland
wurde an abhänge Bauern verliehen, die als "Pacht"
Dienste und Abgaben schuldig waren.
Größere Grundherrschaften beinhalten manchmal mehrere
Fronhöfe, die wiederum mehrere Unterhöfe besaßen.
Dem Grundherrn blieb dann nichts anderes übrig, als auf seinem
verstreuten Besitz umherzuziehen, um ihn zu kontrollieren und in
den Genuß der Erträge zu kommen.
Besonders
in den nördlichen Gebieten bestanden die Häuser meist
aus Holz, denn in Mitteleuropa dominierte der Wald, und dieser Baustoff
war allseits verfügbar. Diese Bauweise konnte sehr kunstvoll
sein, oft handelte es sich aber um einfache Häuser aus grob
behauenen Balken oder Fachwerk mit Lehmfüllung. Die winzigen
Fensteröffnungen ließen nur wenig Licht herein und wurden
im Winter wohl mit Stroh verschlossen. Stroh bedeckte ausserdem
den gestampften Boden.
Man kochte
häufig noch auf einer ebenerdigen Feuerstelle, die in der Mitte
eines Raumes angelegt war. Der Qualm waberte unter der Decke entlang
und zog durch kleine Schlitze ab. Auf Abbildungen sieht man manchmal
eine viereckige Einrichtung über der Kochstelle, welche vermutlich
zum Schutz vor Funkenflug oder als Rauchfang diente. 820 ist im
Kloster St. Gallen ein begehbarer Kamin belegt.
Eine
eher große villa ist zum Beispiel der Königshof in Annappes,
der um 800 beschrieben wurde:
Ein Zaun mit einem Steintor umgab die ganze Anlage, in welcher sich
um das Hauptgebäude 17 kleinere Hütten, ein Stall, eine
Küche, ein Backhaus, zwei Scheunen und drei Geflügelställe
gruppierten. Im Zentrum stand ein zu dieser Zeit noch seltenes Steinhaus
mit Königssaal, drei Zimmern und elf Kammern. Außerdem
besaß es einen Keller und zwei Vorhallen.
Nicht
nur Gebäude und Land gehörten zu einer villa, sondern
auch die Dienste und Abgaben, mit denen die umliegenden Hufen belegt
waren. Zum Beispiel besaß ein Hof auf der Insel Stefanswert
außer dem Salland 23 freie Hofstellen, die Folgendes einbrachten:
Sechs von ihnen zinsen jährlich jeweils 14 Scheffel Getreide,
4 Ferkel, Flachs im Werte einer Seige, 2 Hühner, 10 Eier, 1
Metze Leinsamen, 1 Metze Linsen.
Dazu leisten sie jährlich 5 Wochen Frondienste, pflügen
3 Tagewerk, schneiden ein Fuder Heu auf der Herrschaftswiese und
bringen es ein und leisten Botendienst.
Von den Übrigen haben sechs jährlich jeweils 2 Tagewerk
zu ackern, zu säen und einzubringen, auf der Herrschaftswiese
3 Fuder Heu zu schneiden und
einzufahren, sowie 2 Wochen zu fronen.
Je zwei geben einen Ochsen als Kriegssteuer, wenn sie nicht selbst
ins Feld ziehen und leisten ungemessenen Reiterdienst.
Fünf Hofstellen geben jährlich 2 Ochsen und leisten ungemessenen
Reiterdienst.
Es gibt vier Hofstellen, deren Inhaber im Jahr jeweils 9 Tagewerk
ackern, säen und ernten, und auf der Herrschaftswiese 3 Fuder
Heu schneiden und einbringen. Jährlich front jeder 6 Wochen,
geht zur Weinfuhre, düngt ein Tagewerk Herrschaftsland und
liefert 10 Fuder Brennholz.
Ferner gibt es eine Hofstelle, deren Inhaber jährlich 9 Tagewerk
ackert,
sät und einfährt, auf den Herrschaftswiesen 3 Fuder Heu
schneidet und
einerntet, Botendienst leistet, 1 Vorspannpferd stellt und jährlich
5 Wochen front.
Außerdem sind 19 hörige Hofstellen ausgegeben. Jeder
ihrer Inhaber gibt jährlich
1 Ferkel, 5 Hühner und 10 Eier, mästet 4 herrschaftliche
Jungschweine,
pflügt ein halbes Ackerwerk, front wöchentlich drei Tage,
läuft Botendienst, stellt ein Vorspannpferd. Sein Weib fertigt
1 Hemd und 1 Rock, braut Malz und bäckt Brot.
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