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INHALT
Der Stundensammler
Historischer Roman über das Drama einer Uhrmacherfamilie
im Nürnberg der Renaissance
Der Roman reist zurück zu jenem entscheidenden Moment, da die
Zeit vom großen Weltenlauf getrennt und für jedermann
verfügbar wurde - zur Geburtsstunde der Taschenuhr.
Wir folgen dem Schicksal des jungen Severin, dessen Empfinden für
Zeit sich verhängnisvoll von dem anderer Menschen unterscheidet;
er verliert sie, sie zerrinnt ihm zwischen den Fingern, sodass er
von dem dringlichen Wunsch beseelt wird, die flüchtigen Augenblicke
kontrollieren zu können.
Wir schreiben das Jahr 1492.
Der Mensch, eben noch gebunden an ein Schicksal, welches der Allmächtige
ihm auferlegt, schwingt sich nun selbst zum Schöpfer auf. Dürer
sieht sich Jesus gleich in einem Selbstportrait, und Leonardo da
Vinci konstruiert ein Fluggerät, damit der Mensch gar die Himmel
erreiche. Selbst die gewaltigen Stromschnellen der Zeit sind gebändigt,
wie die astrologischen Turmuhren zu beweisen scheinen.
So licht der Weg zur Wissenschaft sich auftut, so steil führt
er hinab ins Dunkle, in unerklärliche Gefilde, in denen Pest
und Elend lauern, um die allzu dreisten Forscher würdig zu
empfangen.
Vor diesem Hintergrund
entspinnt sich das Drama der Nürnberger Familie, deren bekanntester
Sohn Peter Henlein ist, der mutmaßliche Erfinder der Taschenuhr.
Doch vor dem Erfolg dieses Schlossergesellen steht ein Verbrechen
- der Totschlag an seinem eigenen Meister. Auch Peters Bruder Herman,
ein gewandter Messermacher, gerät wiederholt mit dem Gesetz
in Konflikt. Und er stellt kleinen Bettelmädchen nach, die
seine Gunst nicht immer überleben.
Aus einer solch schändlichen Verbindungen geht Severin, die
Hauptfigur dieses Romans hervor. Seine Geburt kommt ungelegen, und
der Säugling wird bei einer Bauernfamilie untergebracht.
Als Nürnberg
von dem mächtigen Heer des markgräflichen Erbprinzen angegriffen
wird, flüchtet sich der zehnjährige Severin in die Kapelle
und versteckt sich in der Kirchenuhr.
Das gleichmäßige Ticken beruhigt ihn sehr. Bald horcht
er nur noch auf das metallische Geräusch. Schreie und Schüsse
verschwimmen in weiter Ferne und betreffen ihn nicht mehr.
Doch dann erstirbt
das Klacken - die Uhr bleibt stehen.
Totenstille.
Als Severin aus seinem Dämmer erwacht, ist das Gefecht ist
lange vorbei. Er kommt zu spät, seinen Pflegeeltern zu helfen
und findet nur noch Leichen auf dem Feld.
Diese Erfahrung prägt ihn für sein ganzes Leben:
Nie wieder wird
er zulassen, dass die Zeit ohne ihn verrinnt.
Von nun an saugt
Severin alles auf, was diesem Ziel entgegenkommt. Bei einem Astrologen
lernt er, die Stunden aus den Sternen zu pflücken, und er überzeugt
seinen Onkel Peter Henlein, die Pläne des toten Schlossermeisters
zu nutzen. Denn darin ist eine Uhr beschrieben, die man jederzeit
bei sich tragen kann.
In der konfliktreichen
Atmosphäre des Henleinhauses wächst eine zweite Leidenschaft
in Severin heran, die Liebe zu Kunigunde, Peters junger Ehefrau.
Heimlich schenkt sie ihm einen Bisamapfel, eine kleine Eisenkugel,
in deren Herzen süßer Moschus duftet.
Dieses Kleinod nutzt Severin als Gehäuse für die erste
Uhr aus Henleins Werkstatt, die sodann verborgen unter seinem Kittel
schaukelt.
Er hätte glücklich sein können.
Doch Kronos
frisst seine Kinder; die Zeit in der Hand zu halten, heißt
nicht, über sie zu bestimmen.
Erst als Severin
bereit ist, seinen lang begehrten Schatz für das Leben seiner
Liebsten aufzugeben, erschließt sich ihm das Wesen der Zeit:
er kann sie nicht verlieren, sie ist im Überfluss vorhanden,
es gibt mehr davon, als er je durchleben könnte.
Und sie hält für jeden Menschen und für jeden Moment
verschiedene Qualitäten bereit:
Während Severin und Kunigunde zusammenfinden, ist für
den Messermacher Herman der letzte Augenblick gekommen, er wird
wegen Mordes an einer Bettelmaid enthauptet.
Peter Henlein aber kratzt auf Lebenszeit, Stundentakt für Stundentakt,
stumpfe Groschen aus den Taschenuhren.
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