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HERRSCHER
- KARL DER GROßE
Nach
dem Tode Pippins teilte sich Karl das Reich mit seinem jüngeren
Bruder Karlmann. Die Brüder verstanden sich schlecht, es wäre
wohl zu militärischen Auseinandersetzungen gekommen, wenn Karlmann
nicht 771 überraschend gestorben wäre, worauf Karl die
Alleinherrschaft übernahm.
Mit Rom stand er meist in gutem Einvernehmen und fühlte sich
verpflichtet die Kirche zu schützen. Um die Ausbreitung des
Glaubens kümmerte er sich persönlich. Das beinhaltete
den Bau von Kirchen und Klöstern, die Vereinheitlichung der
Liturgie, aber auch dreißig Jahre andauernde Feldzüge
gegen heidnische Sachsen und deren brutale Christianisierung.
Er besiegte 774 auf päpstlichen Wunsch den Langobarden Desiderius
und eroberte 787 das Herzogtum Benevent, so dass die ganze italienische
Halbinsel unter Kontrolle gebracht war. 788 setzte er Herzog Tassilo
ab und entzog damit Baiern die Autonomie. 796 eroberte er das Zentrum
der Avaren, und schließlich half er 799 dem aus Rom geflohenen
Papst Leo III.
Karl versammelte Gelehrte aus verschiedenen Ländern an seinem
Hof und richtete Akademien ein. Schreiben konnte er selbst zwar
nicht, aber in seiner Regierungszeit wurde die karolingische Minuskel
eingeführt. Er sprach Latein, interessierte sich für germanische
Heldensagen und erdachte fränkische Namen für die Monate.
Um eine einheitliche Verwaltungsstruktur für seine Königshöfe
zu entwickeln, versuchte er deren Bestand systematisch erfassen
zu lassen. Auch die Kultivierung der rückständigen Landesteile
im Norden und Osten war ihm ein Anliegen.
Als Höhepunkt seines Lebens wurde er am 25. Dezember 800 in
Rom zum Kaiser gekrönt. Er starb 814 in Aachen und wurde in
einem römischen Marmorsarkophag beigesetzt.

Einhard schreibt in der Vita Karoli über Karl den Großen:
Er war von breitem und kräftigem Körperbau, hervorragender
Größe, die jedoch das richtige Maß nicht überschritt
- denn seine Länge betrug, wie man weiß, sieben seiner
Füße -, das Oberteils seines Kopfes war rund, seine Augen
sehr groß und lebhaft, die Nase ging etwas über das Mittelmaß,
er hatte schönes graues Haar und ein freundliches, heiteres
Gesicht. So bot seine Gestalt im Stehen wie im Sitzen eine höchst
würdige und stattliche Erscheinung, wiewohl sein Nacken feist
und zu kurz, sein Bauch etwas hervorzutreten schien: das Ebenmaß
der anderen Glieder verdeckte das. Er hatte einen festen Gang, eine
durchaus männliche Haltung des Körpers und eine helle
Stimme, die jedoch zu der ganzen Gestalt nicht recht passen wollte;
seine Gesundheit war gut, außer daß er in den vier Jahren
vor seinem Tode häufig von Fiebern ergriffen wurde und zuletzt
auch mit einem Fuße hinkte. Aber auch damals folgte er mehr
seinem eigenen Gutdünken als dem Rat der Ärzte, die ihm
beinahe verhasst waren, weil sie ihm rieten, dem Braten, den er
zu speisen pflegte, zu entsagen und sich an gesottenes Fleisch zu
halten.
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