Ausmisten | Wenn ich hier fort muss
Was brauchen wir wirklich? Was bedeuten uns all die Dinge, die wir besitzen? Sind sie förderlich, definieren wir uns durch sie, machen sie uns glücklich? Und würden wir sie mitnehmen, wenn wir unsere Habe selber tragen müssten. Weltweit sind unzählige Menschen auf der Flucht. Was, wenn es uns selber träfe?
Ein älteres Paar bereitet sich auf eine lange Reise vor und die Frau sortiert aus.
Doch jeder Gegenstand weckt Erinnerungen, definiert ihre Reputation oder ist einfach schön. So landet alles, was sie in die Hand nimmt, als essenziell nötig im Reisegepäck.
Während sie mit ihren Assoziationen beschäftigt ist, leert der Mann ihren Reisekoffer unbemerkt wieder aus.
Auch ihr Brautkleid kommt zum Vorschein. Im Rock wird eine Videoprojektion sichtbar, Schattenfiguren lassen einschneidende Ereignisse lebendig werden.
Sie nimmt das Kleid, wiegt sich damit und fragt sich, wer sie ohne Hof und ohne Besitz noch sei, ob ihre Person dann überhaupt noch existiert. Wer ist sie dann? Sie würde sich in eine Namenlose unter Vielen verwandeln, in eine schutzlose Nacktschnecke, die niemand will.
Ihr Mann wiegt sich eine Weile mit ihr zusammen und wirft zuletzt auch das Brautkleid fort.
Er wird alles Wesentliche mitnehmen, Papiere, Geld, warme Kleidung – und seine Frau.
Hintergrund
Unzählige Menschen sind weltweit auf der Flucht, manche durch Gewalt vertrieben, manche notgedrungen, weil sie in ihrer Heimat kaum überleben können. Einige davon sind nun unsere Nachbarn, viele wollen es noch werden. Wir kennen sie meist nicht, sie sehen anders aus und verhalten sich ungewohnt. Für ihren Lebensunterhalt, Wohnung und Ausstattung kommt zunächst der Staat auf, also wir, was nicht allen gefällt und zunehmend sogar Missgunst schürt.
Momentan sind wir in der glücklichen Lage, nicht fliehen zu müssen. Das war auch für Deutsche nicht immer so und es gibt keine Garantie, dass es immer so bleibt. In dieser Kurzperformance möchten wir eine „Was wäre wenn – Situation“ herbeiführen und Denkanstöße geben: Inwieweit macht das Eingebunden sein im heimatlichen Umfeld, die unabhängige Wohnsituation und eigener Besitz unser Menschsein und unsere Würde aus?
Die PREMIERE fand am 8. November 2025 in Dechow statt als Teil der Gemeinschaftsproduktion „Moin Freiheit“, ein Stück aus mehreren Episoden zu Grenzerfahrungen von 1945 bis heute. Gefördert von fredak-mv.de aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern
Dauer ca. 20 Min.
Abdunkelbarer Raum und Stromanschluss erforderlich.
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