Bunt gemischte Artikel aus der „Figurentheater-Schmiede“
Rechercheprojekt – Der Traum vom Fliegen
Dokumentation
Performative Möglichkeiten mit Wind- und Flugfiguren
Rechercheprojekt als Vorbereitung zu einem denkbaren Open-Air-Inszenierungskonzept
Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.
Zeitraum Juni-August 2022, Projektnummer: 2022/REC/0097
In diesem Projekt sollte ausgelotet werden, welche Techniken es möglicherweise erlauben, gestaltete Theaterfiguren über den Köpfen der Zuschauer „fliegend“ agieren zu lassen.
Dazu wurden drei Grundprinzipien und deren Eignung zum theatermäßigen Open-Air-Einsatz untersucht:
- Windsack
- Flug- & Lenkdrachen
- Drohne
Die erste Annäherung zu passionierten Drachenbauern und -Piloten fand über das Internet statt, insbesondere über https://www.drachenforum.net/ ein Forum, in welchem vor allem Erfahrungen ausgetauscht und Termine veröffentlicht werden. Außerdem habe ich mich auf der Webseite https://kite.builders informiert, weil dort verschiedenartige Baupläne zur Verfügung stehen.
Eine wertvolle Inspirationsquelle waren die Arbeiten von Kirsten Sauer (Kisa), einer Ausstatterin, Künstlerin und Drachenbauerin.
Während des Projektzeitraums fanden zwei Drachenfestivals in erreichbarer Nähe statt, die ich besucht habe, um persönliche Kontakte zu knüpfen:
Das Festival in Artlenburg (nicht öffentlich) sowie das öffentliche Groß-Festival in St. Peter-Ording. Beides führte zu weiteren Kontakten und vielfältigen Erkenntnissen.
Schließlich besuchte ich das Fachgeschäft für Drachen und Baumaterial „Metropolis“ in Flensburg, wo ich ausgiebig zu verschiedenen Themen beraten wurde. Hier konnte ich die unterschiedlichen Stoffe, Stangen und Verbinder direkt in Augenschein nehmen und Material für eigene Versuche erstehen.
Windsack
Vielgestaltige, bunte Windsäcke werden gerne als „Luftschmuck“ aufgehängt. Bei genügend Wind blähen sie sich auf und zeigen ihre Form. Hier gibt es Fische, Kraken, Gummibärchen, Schneemänner und sogar Autos … Sie sind entweder aus luftdurchlässigem Material gefertigt, oder haben sowohl eine Lufteintritts- sowie eine Luftaustrittsöffnung.
Für eigene Formen muss zunächst ein Schnittmuster entwickelt werden.
Manche Drachenfreunde suchen sich ein passendes Plüschtier, schneiden es auseinander, nehmen das Schnittmuster davon ab und vergrößern es entsprechend.
Andere, wie z. B. Carsten Moos bauen ein Modell aus Draht und Pappmaschee. Darauf werden die Nähte eingezeichnet und das Ganze in parallelen Abständen von Naht zu Naht vermessen. Aus den Maßtabellen lassen sich Schablonen ableiten, die beliebig vergrößert und auf Stoff übertragen werden können. Theoretisch muss die Figur dann nur noch zusammengenäht werden.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. So ein Windsack hat ja kein Gestell, die Form wird allein durch Luft stabilisiert. Es kann sein, dass sich die Kammern nicht gleichmäßig füllen, dass Teile herabhängen oder sich unschöne Falten bilden. Die Aufhängung (Waage) spielt ebenfalls eine große Rolle. Je komplizierter die Form, desto mehr Versuche und Nacharbeiten werden nötig sein.
Ohne Wind hängt ein Windsack schlapp herunter, erst bei genügender Luftbewegung bläht er sich auf.
Die Idee war, eine solche Windfigur an einer Stange zu führen und die entsprechende Luftbewegung selbst hervorzurufen. Es stellte sich jedoch heraus, dass man heftig wedeln und umher rennen muss, um einen etwas größeren Windsack auch nur annähernd gefüllt zu halten – ein äußerst anstrengendes Unterfangen.
Leichteste Stoffe oder Folien, wenig Nähte, sparsame Aufhängung … könnten eventuell dennoch zu praktikablen Lösungen führen.
Sobald Wind vorhanden ist, füllt sich die Form von allein. Jetzt wird die Bewegungsrichtung allerdings (wie auch bei Flug- und Lenkdrachen), von der Natur bestimmt. Inszenierungsidee, Ausrichtung zum Publikum, Orientierung im Umfeld … all das müsste sich nach dem Wind richten.
Flug- & Lenkdrachen
Im Gegensatz zu Windsäcken verfügen solche Drachen über ein Gestell, wodurch die Form in jeder Lage stabil bleibt. Trotzdem müssen auch sie in einem ständigen Luftstrom gehalten werden, einerlei ob das durch Wind oder durch Spielbewegungen mittels Führungsstange geschieht.
Einleiner
Einleinige Drachen gibt es für fast jede Windstärke.
Die meisten kann man kaum an einer Stange führen, sie sind schwer und lassen sich nur mit Kraft gezielt in der Luft bewegen.
Ganz anders ein spezieller Leichtwind-Drachen der trotz Flaute auf dem Festival in Artlenburg hoch am Himmel zu sehen war. Solche Exemplare eignen sich durchaus dafür, bei wenig oder ohne Wind an einer flexiblen Stange geführt zu werden.
Kirsten Sauer (Kisa) hat einen Gleiter für Indoor-Tanz-Performances entwickelt, ein ähnliches Exemplar von ihr „fliegt“ sogar unter Wasser.
In einer Inszenierung müssten sich Form und Größe natürlich in gewissem Rahmen nach der Physik richten, farblich ist aber alles möglich und die Bewegungen haben die Darstellenden selbst in der Hand. Nur still stehen können diese Drachen nicht.

Vierleiner (St. Peter-Ording)
Lenkdrachen mit vier Leinen
Vierleiner können plötzlich stoppen, in alle Richtungen lenken (auch rückwärts), schnelle Kurven drehen und sogar seitwärts fliegen. All das funktioniert auch an kurzen Leinen auf relativ engem Raum.
Auf dem Festival in St. Peter-Ording konnte ich den faszinierenden Möglichkeiten zusehen. Die Drachen von zwei versierten Piloten flogen in Formation, verfolgten sich gegenseitig, zitterten in der Luft und hüpften auf dem Strand …
Für solche Manöver braucht man allerdings viel Übung und die Drachen haben physikalisch bedingt eine sehr spezifische Form. Eine gewisse Windstärke wäre ebenfalls günstig.
In der Ibex Puppetry Inszenierung „A Celebration of Flight” 2013 hat Heather Henson sowohl vogelförmige Gleiter an langen flexiblen Stangen als auch vierleinige Lenkdrachen eingesetzt. Dazu kamen Fahnen, direkt geführte Figuren und natürlich Darsteller*innen in Kostümen. Das Stück wurde international indoor und outdoor gezeigt.
Drohnen
Im öffentlichen Raum sind Drohnenflüge durch erhebliche Sicherheitsbestimmungen eingeschränkt, z. B. Drohnenführerschein, Flugverbotszonen, Sondergenehmigungen und mehr, je nach Gelände.
In Theaterstücken werden Drohnen nach meinen Recherchen bisher eher selten eingesetzt. Die wenigen Male fanden in geschlossenen Räumen statt. Die Drohnen agierten hier nicht als Figuren, sondern blieben was sie sind, z. B. um ein Gefühl des Kontrolliert-Werdens zu vermitteln oder als beängstigende, umherschwirrende Beleuchtung.
Beispiele:
• Woyzeck Panopticon, Klagenfurt – https://www.youtube.com/watch?v=cyMZ_Ujv9kA
• „Drohnenmärchen“ Invisible Playground – https://www.youtube.com/watch?v=vgkH78onv-A
• Drohnen im Burgtheater, Artikel: https://airandmore.at/drohnen-am-burgtheater-wien/
Im Open Air-Bereich bieten sich Drohnen für nächtliche Lichtshows an. Der gesamte Ablauf wird im Vorfeld programmiert. Mit Musikunterstützung zeichnen die Drohnenschwärme dann dynamische Bilder in den Himmel. Die meisten Anbieter richten ihre Angebote an größere Firmen, für deren Events die Shows entsprechend zugeschnitten werden.
Beispiele: https://www.ao-technology.com/de und https://www.flyingstars.art
Sicher ist es denkbar, mit leuchtenden Drohnenschwärmen dramatische Episoden oder konzeptionelle Kunst zu entwickeln, ein direktes darstellendes Spiel ist dabei allerdings kaum möglich.
Boden- und Luftsicherheitsanforderungen müssen erfüllt und im Voraus abgesichert werden. Außerdem könnten Veranstalter mit störenden Fremddrohnen zu kämpfen haben, was wohl z. B. bei der Lichtshow an der Hamburger Elbphilharmonie „Breaking Waves“ vom Künstlerduo Studio Drift zu Absagen geführt hat. https://www.dw.com/de/breaking-waves-lichtkunst-mit-drohnen/av-61706264
Meine Ursprungsidee war jedoch, Drohnen zu verkleiden und performativ als Figuren einzusetzen.
Cirque Du Soleil hat genau das getan, mit Unterstützung der ETH Zürich sowie der Verity Studios. Ergebnis ist das Video-Projekt „SPARKED“.
SPARKED ist mit viel Programmierarbeit und Aufwand im Studio entstanden. Um herauszufinden, ob man eine verkleidete Drohne vielleicht auch live und möglichst Open Air agieren lassen kann, habe ich eigene Versuche angestellt.
Bergrettungs-, Löschhubschrauber und Lastendrohnen transportieren ihre Fracht nicht umsonst an langen Seilen tief unter den Rotorblättern. Der Luftweg direkt darunter darf nicht gestört werden. Die Verkleidung einer Drohne kann also nur außerhalb oder zwischen den Rotoren angebracht werden.
Ich habe leichte Stoffbahnen gewählt und sie außen an den Schutzbügeln befestigt. Die Drohne flog und ließ sich im Raum auch gut steuern.
Draußen dagegen veränderte jede Windböe die Flugbahn. Selbst mit meinen wenigen Bändern daran müsste die Drohne deutlich stärker und schwerer sein, um eine sichere Performance vor Publikum zu ermöglichen. Die Figur oder Drohnen-Umkleidung sollte zudem möglichst Wind durchlässig sein, wie Netz oder sehr leichtes Drahtgeflecht.
Je schwerer eine Drohne ist, desto einschränkender sind natürlich auch die Sicherheitsbestimmungen. Daher habe ich vorerst davon abgesehen, versuchsweise ein gestaltetes Figurengebilde an zwei oder gar drei Drohnen zu hängen, die gemeinsam von mehreren Personen gesteuert werden.
Drohnen im darstellenden Spiel stehen offenbar noch ganz am Anfang, aber wer weiß wie sich die Zukunft entwickelt.
Fazit
Windsäcke ermöglichen es, alle nur denkbaren Formen zu gestalten. Die Spielbarkeit hält sich jedoch in Grenzen, weil die Form zwingend mit Luft gefüllt sein muss. Man könnte stabilisierende Stäbe oder Ringe einarbeiten, vielleicht auch mehrere Führungsstangen vorsehen und sich damit der Konstruktion einer üblichen Großfigur annähern. Die angestrebte Leichtigkeit mit dem Gefühl des Fliegens wäre allerdings dahin.
Lenkdrachen insbesondere Vierleiner sind faszinierend in ihrer enormen Wendigkeit und Kontrollierbarkeit. Die Fertigkeit, damit umzugehen erreicht man mit viel Training. Für eine Inszenierung wäre mir persönlich der Weg dahin zu weit. Es scheint ein wenig wie bei Musikinstrumenten zu sein, die man erst beherrschen muss, bevor man musizieren kann.
Drohnen werden sicher zunehmend in Inszenierungen und Shows auftauchen, teils direkt gesteuert, teils vorprogrammiert. Die nötigen technischen Voraussetzungen sowie die Sicherheitsbestimmungen sind allerdings beträchtlich und stellen große Hürden für den Einsatz im Open Air Theater dar.
Einleiner / Gleiter lassen sich (bedingt) formal gestalten und direkt führen, wenn sie entsprechend gebaut werden. Daher eignen sie sich meiner Meinung nach durchaus für das darstellende Spiel im Freien. Vor allen anderen untersuchten Möglichkeiten verkörpert dieser Typ am deutlichsten die Ästhetik des Fliegens.
Grenzen werden durch das Wetter gesetzt. Spielerin oder Spieler müssen sozusagen schneller agieren als der vorhandene Wind und wie bei vielen anderen Open Air Darbietungen ist Regen ein Ausschlusskriterium.
Voraussichtlich werde ich mich mit leichten Gleitern näher befassen. Die Beschäftigung mit dem Thema hat mich sehr inspiriert, ein entsprechendes Inszenierungskonzept zu entwickeln.
Erste offene Spielideen blitzen bereits auf, im praktischen Experimentieren könnten sie sich verfestigen. Vielleicht kreiere ich verschiedene Probegleiter dafür.
Für den technischen Bereich müsste ich allerdings mehr in die Tiefe gehen und mich z. B. über Zugkräfte, Formfaktoren, Waagen u.s.w. informieren.
Sollte sich eine konkrete Inszenierung herauskristallisieren, würde ich die entgültigen Gleiterfiguren eventuell in Auftrag geben.
Linksammlung
Information
Kite Builders – Online News der Drachenszene – https://kite.builders/
Adressen, Baupläne, Termine
Drachenforum https://www.drachenforum.net/
Austausch, Lexikon, Termine, Markt
Starkiter http://starkiter.de/
Einstieg in das Lenkdrachenfliegen
Handel
Metropolis https://www.metropolis-drachen.de
Fachhandel für Drachen und Baumaterialien, Flensburg
Drachen Ahlerts http://ahlerts.de/
Online-shop für Einleiner-Drachen, Lenkdrachen und RC-Drachen
Kite’n’Art https://www.kunstdrachen.de/
Webshop für Drachen und Windspiele
Techniken
Wie man einen Lenkdrachen baut https://www.youtube.com/watch?v=c3MPN8nX23g
Video vom SWR mit Kirsten Sauer – Zuschnitt, Gestänge, Bemalung, Nähen, Aufhängung
Drachen bemalen – aber richtig! https://www.youtube.com/watch?v=dYdjev2R4fE
Video von Kite Builders
Drachenbauer
Kisa – Kirsten Sauer https://www.kisa.de/
Theaterplastik, WindKunst und mehr
Peter Hespleler http://www.hespeler-kites.de
bildhafte und grafische Drachenkreationen, u. a. Mosaiktechnik (Nähtechnik)
Performance
Ibex Puppetry „A Celebration of Flight”
- Video Trailer – https://www.youtube.com/watch?v=rCAwMiTW4eY&t=1s
- Video Rhode Island, School of Design, 2011 – https://www.youtube.com/watch?v=SRSfo5hpqbQ&list=PLB2584EF2186680B1&index=3
- Video Colorado 2012 – https://www.youtube.com/watch?v=xOLW_AAiohk
- Webseite Ibex Puppetry – https://www.ibexpuppetry.com/celebration-of-flight
kisa. Kirsten Sauer
- Video VoLA StageArt, Probe, indoor kite dance – https://www.youtube.com/watch?v=nw0yu1zQTBo
- Video Walk Act – Windkunst – Drachen (Indoor-Kite) –https://vimeo.co/266040926?fbclid=
IwAR3DuZxhkdBLVxvBjTllgyYDCruMrxknGrBK0r-GTmOlR9QvKZJ6ruoycjs
Cirque Du Soleil – der Tanz der Drohnen – SPARKED
- Video SPARKED: Interaction Between Humans and Quadcopters – https://www.youtube.com/watch?v=6C8OJsHfmpI
- Video SPARKED: Behind the Technology – https://www.youtube.com/watch?v=7YqUocVcyrE&t=1s
Drohnen Theater
- Video Woyzeck Panopticon, Klagenfurt – https://www.youtube.com/watch?v=cyMZ_Ujv9kA
- Video „Drohnenmärchen“ Invisible Playground – https://www.youtube.com/watch?v=vgkH78onv
- Artikel Drohnen im Burgtheater – https://airandmore.at/drohnen-am-burgtheater-wien/
Drohnenschwarm
- Video Studio Drift „Breaking Waves“ – https://www.dw.com/de/breaking-waves-lichtkunst-mit-drohnen/av-61706264
Sonstige Drachen-Flugvorführungen
- Video Lenkdrachenflug in der Halle, Lam Hoac – https://www.youtube.com/watch?v=pCPt-rr6CJ8
- Video Unbelievable Eagle Raptor Flight, Joe Hadzicki – https://www.youtube.com/watch?v=-u5OwQ8ptcU&t=1s
Spezielles am Wegesrand gefunden
Solar Luftschiff aus schwarzer Folie – https://www.youtube.com/watch?v=mmHCxkaB25w
Vector-Kites, ferngesteuerte Drachen – http://ahlerts.de/artikel.php?pw=&kategorie=
367%20RC%20Drachen:%20Vector%20kites
Bühnengroßer Drache aus Weichschaum
In der Inszenierung „Eine Hand voll Drachenfeuer“ wollten wir einen richtig großen Drachen haben, einen, der die ganze Bühne einnimmt. Er ist der „Feind“, den man nicht kennt und ihn sich deshalb riesig und unüberwindlich vorstellt.
Das Material Weichschaum (Schaumgummi) ist einigermaßen leicht und auch flexibel, dünnere Teile wippen bei Bewegungen lebendig mit. Für den Kopf mussten wir mehrere Platten grob zuschneiden und aufeinanderkleben.![]()

Mit dem Teppichmesser wird die Form konkreter herausgearbeitet.
Bei Weichschaum werden die Klingen schnell stumpf, man muss sie oft wechseln, sonst rupfen sie eher, als dass sie schneiden.![]()
Bei dieser Methode kann man sowohl wegnehmen als auch Teile ansetzen, um dem gewünschten Ausdruck näher zu kommen.
Die Feinheiten übernimmt die Schere und dann geht der Kopf zum Bandschleifer.
Je nach Qualität lässt sich Weichschaum sehr gut schleifen, am besten klappt das mit einer möglichst hohen Umdrehungszahl.
Danach sind die Schnittspuren nicht mehr zu sehen.
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Stellprobe mit dem fertig geschliffenen Kopf vor den Flügeln.
Damit das Ungetüm handhabbar bleibt, haben wir keinen realistischen Körper gebaut, sondern lassen die Flügel aus dem Bühnenbild entstehen und führen den Kopf separat dazwischen.
Die Flügel bestehen aus dünneren Schaumstoffplatten, die sich um eine schräge Achse klappen lassen. Die Rückseite wird später grüne Tannenbäume zeigen.![]()
Anleitung – Modelliermasse selber mischen
Modelliermasse auf Holzbasis
für Figurenköpfe, Hände und vieles mehr
Für unsere modellierten Figurenköpfe benutzen wir eine Masse aus Holzmehl und Binder, die wir uns selber herstellen.
Das Rezept haben meine Kollegin Petra Wolfram (Mimikry Figurentheater) und ich in unseren Anfangsjahren in vielen Versuchsreihen entwickelt und nutzen es beide bis heute.
Die Masse schrumpft nicht so stark, wie z. B. Pappmaschee. Nachdem die Außenhaut getrocknet ist, kann man das noch feuchte Innere mit einem Löffel aushöhlen, wodurch die Köpfe sehr leicht werden. Die trockene Oberfläche lässt sich ähnlich wie Holz gut schleifen oder beschnitzen, nur das keine Maserung vorhanden ist, auf die man achten muss.
Man besorge sich also vom Baumarkt eine Tüte Sägemehl. Es wird in große Säcke gepustet und manchmal muss man warten, bis so ein Sack voll ist.
Reines Holzmehl vom Schreiner kann man auch benutzen, aber die getrockneten Werkstücke werden dann weniger wiederstandsfähig. Der Kleber in den zersägten Baumarktplatten ist offenbar auch im gemahlenen Zustand noch etwas aktiv.
Auf jeden Fall müssen alle gröberen Fasern und Späne ausgesiebt werden, am besten geht das mit einem feinen Küchensieb aus Metall.
Jetzt brauchen wir Tapetenkleister normal für Papiertapeten (Methylan), den wir in deutlich weniger kaltes Wasser einrühren, als auf der Packung steht und quellen lassen. Nach ca. 20 Min. sollte ein dicker Glibber entstanden sein, ähnlich fest wie Pudding.
Auf den Fotos wurde eine ganze Packung verarbeitet.
Rezept für nur eine Portion (mittelgroßer Kopf plus Hände):
1/4 Packung Kleister (ca. 31g),
1/2 Liter Wasser,
1 Liter Sägemehl (plus etwas Reserve, falls die Masse zu weich wird)

Zum gequollenen Kleister kommt ungefähr die doppelte Menge Sägemehl.
und dann: kneten!
Zunächst klebt der Kleister vor allem an den Händen, das ist ganz normal. Die Holzfasern müssen ihn ja erst aufsaugen und sich damit tränken, was sie mit etwas Druck und Zeit auch tun. Nicht aufgeben, wenn alles noch bröselig zu sein scheint, nach und nach wird die Masse geschmeidiger.
Irgendwann fühlt man sich an Brotteigkonsistenz erinnert. Die Masse lässt sich zu einem steifen Klumpen formen und nimmt beim festen Drüberrollen die letzten Bröser von der Arbeitsfläche auf. Dann ist sie modellierbereit.
Wenn der Klumpen zu weich ist – mehr Sägemehl, ist er zu hart – mehr angerührten Kleister (kein Wasser, sonst hält es später nicht).
Wer Finger oder andere dünne Dinge herstellen möchte, kann noch einen Schuss Holzleim (Ponal) dazu kneten, das ergibt höhere Festigkeit, aber auch höheres Gewicht. Außerdem hat man es hinterher schwerer mit dem Schleifen.
Was man nicht gleich verbraucht kann luftdicht verschlossen 1 -2 Tage aufbewahrt werden, danach verliert der Kleister offenbar seine Klebkraft.
Fertige Werkstücke brauchen bei normal trockener Zimmertemperatur etwa drei – vier Tage, bis sie außen so fest geworden sind, dass man sie aushöhlen kann. Dazu legt man sie auf ein Stück Pappe und wendet sie regelmäßig.
Bei feuchtem Wetter oder schwüler Gewitterluft kann es sein, dass die Stücke anfangen zu schimmeln, die Masse besteht ja aus organischem Material.
Bei solcher Witterung ist es besser, auf einer Heizung zu trocknen. Dann ist die äußere Schicht schon nach ein/zwei Tagen fest, allerdings tauchen auch leichter Risse auf.
Anleitung – Puppenkopf mit Mundmechanik
Bauanleitung – Die Quasselstrippe
für Stab- oder Tischfiguren
Diese Technik Figurenköpfe zu gestalten, stützt sich auf die geniale Grundidee von Hanspeter Bleisch und Ursula Bleisch-Imhof. Sie ermöglicht auch Ungeübten, überzeugende Charaktere zu schaffen und ist wirklich leicht nachzubauen.
In dieser Abwandlung wurde die Grundidee durch die Mundmechanik erweitert, die direkt am Führungstab unter der Kleidung bedient werden kann.
Als erstes halbiert man eine Styroporkugel in der Größe, die der Kopf ungefähr
haben soll. Eine Holzkugel geht natürlich auch, der Kopf wird dann aber ziemlich schwer.
Eine Hälfte legt man aufs Papier und malt drumherum.
Das ist so schön einfach – das macht man gleich mehrmals.
Nun stehen genügend Kreise zur Verfügung um verschiedene Profile auszuprobieren.

Ist das Profil perfekt, schneidet man den Umriss aus.
Er wird auf ein Brett oder eine Leimholzplatte mit 2-3 cm Stärke übertragen.
Nun geht’s an das Aussägen.
Eine Bandsäge wäre gut, die Stichsäge schafft es aber auch.

Vom Halsansatz bis zum Oberkopf brauchen wir ein Loch für den Haltestab. (Bohrständer benutzen)
Der Stab kann gleich mit Holzleim eingesetzt werden.
Der Unterkiefer wird vom Mund bis knapp vor den Stab abgesägt.
Dann legt man die Kugelhälfte noch einmal auf und markiert den Radius.
Innerhalb dieses Kreises sägen wir noch ein Dreieck aus.

Den losen Unterkiefer kann man mit Leder oder mit einem Stück Stoff beweglich am Kopf befestigen. Kontaktkleber wie Pattex sind dafür geeignet.
Ein Scharnier geht natürlich auch, wenn man gerne Schrauben eindreht.
Die Figur reißt das Maul schon ganz schön weit auf – um ihr Manieren beizubringen, wird ein stabiles Gummi eingesetzt. Entweder schnell mit dem Tucker, oder man nimmt Schrauben mit Unterlegscheiben, dann ist es leicht gewechselt, falls es bei all der Quasselei mal ausleiern sollte.
Falls der Kopf auf einem festen Leib sitzen soll, müssen wir jetzt noch zwei Holzkugeln
durchbohren.
Das Loch in der Mitte soll genau auf den Haltestab passen.
Das kleinere Loch davor dient später als Führung für die „Quassel-Strippe“ bzw, den
Führungsfaden. Eine Stopfnadel sollte gut hindurchgleiten.

Eine Kugel wird auf den Stab geschoben (kleines Loch nach vorne) und festgeleimt.
Dann folgt ein größeres Stück Leder, welches später am Rumpf befestigt wird. Das Leder soll stramm sitzen, es darf keinesfalls über die Kugel rutschen können. Statt Leder funktioniert übrigens auch Fahrradschlauch.
Darunter leimen wir mit etwas Abstand die zweite Kugel fest.

Oberhalb der ersten Kugel und unterhalb der zweiten Kugel dreht man Ringschrauben in den Haltegriff.
Ein starker Faden (Takelgarn oder Angelschnur) wird mit einem kleinen Nagel oder einer Schraube an der Kinnlade befestigt.
Man führt den Faden
durch die obere Ringschraube –
durch die erste Kugel –
mit einer Ledernadel durchs Leder –
durch die zweite Kugel –
durch die untere Ringschraube –
und knotet zum Schluss einen Führungsring hinein.
Als Führungsring käme zum Beispiel ein Schlüsselanhänger in Frage. Er sollte so sitzen, dass der „Quasselfinger“ ihn gut findet und nach unten ziehen kann, während die Figur am Stab gehalten wird.
Nun können die Styroporhalbkugeln aufgesetzt werden. Das geht mit Leim, Pattex frißt die Kugeln auf.
Da Styropor nicht besonders widerstandsfähig ist, empfiehlt es sich, den Kopf zu kaschieren.
Augenausschnitte und ähnliches müssen natürlich vorher eingeschnitten werden, falls das für den Charakter nötig ist.
Eventuell sollte man auch die sägerauen Holzkanten abschleifen.
Tja, bleibt nur noch anmalen und frisieren.













Mit speziellen Farben lässt sich Weichschaum durchfärben oder oberflächlich bemalen / besprühen. Die Farbe muss flexibel sein, sonst bricht sie. Wir nehmen meistens Siebdruckfarbe für Textilien, die wir literweise aus dem Industriebedarf beziehen.
